Völkermord an den Armeniern

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Letztlich ist es aber nur richtig, den Völkermord an den Armeniern auch so zu nennen, wie es war.

 

Berlin, 23. April 2015

Liebe Blog-Leserinnen und Blog-Leser,

eine einfache Frage kann manchmal eine sehr komplexe Antwort haben. Die Bundesregierung hat lange mit sich gerungen, ob für die schrecklichen Ereignisse der Jahre 1915 und 1916 der Begriff „Völkermord“ oder „Genozid“ zu verwenden wäre. Die planmäßige Vertreibung und Vernichtung von über einer Million ethnischer Armenier war ein Ereignis, das beispielhaft für die Geschichte der Massenvernichtungen, Vertreibungen und ethnischer Säuberungen steht, die das vergangene Jahrhundert weltweit auf so schreckliche Art und Weise geprägt haben. Aus der deutschen Geschichte wissen wir, dass nur eine ehrliche Aufarbeitung, die Anerkennung von Schuld der Täter und die Aufklärung der Geschehnisse zu Frieden und Völkerverständigung führen. Die Regierungen in Jerewan und Ankara befinden sich in einem andauernden Aussöhnungsprozess, der immer wieder von nationalistischen Eitelkeiten gefährdet wird. Daher hat die Bundesregierung lange gezögert, um nicht unnötig Öl in ein diplomatisches Feuer zu gießen.

Letztlich ist es aber nur richtig, den Völkermord an den Armeniern auch so zu nennen, wie es war.
Ein Genozid. Ein grausames Verbrechen des Regimes, das sich seiner Minderheiten entledigen wollte. Betroffen waren neben den Armeniern auch Aramäer, Assyrer und Pontosgriechen.

Heute vor 100 Jahren, am 24. April 1915, begann im Zuge des Ersten Weltkriegs die Auslöschung armenischer Politiker und Intellektueller in Istanbul. Anschließend ließ das türkische Regime hunderttausende osmanische Christen systematisch ermorden. Auf den Todesmärschen durch die anatolische Wüste starben schätzungsweise 1,5 Millionen Armenier und bis zu 250.000 assyrisch-aramäische Christen. Männer, Frauen, Kinder und Alte.

Langfristiger Frieden zwischen Völkern braucht Zeit, Verständnis und Aufarbeitung. Die türkischen Politiker von heute tragen keine Verantwortung für die Massaker vor hundert Jahren. Aber sie tragen eine Verantwortung dafür mitzuwirken die Vergangenheit aufzuarbeiten. Und wir, die Völker der Welt, haben die Verantwortung nicht wegzusehen, wenn Völkermord und unmenschliche Kriegsverbrechen geschehen. Deshalb haben wir heute im Bundestag an dieses traurige Jubiläum des Völkermords erinnert.

Ihre

Sylvia Pantel

https://www.cducsu.de/presse/pressemitteilungen/das-gedenken-die-schrecken-der-vergangenheit-mit-dem-ziel-der-aussoehnung-verbinden