Familien fördern, Eltern stärken

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Wer Familien in Deutschland unterstützen will, muss weg von Zwangsbeglückung sowie vorgeschriebenen Familienbildern und hin zu echter Wahlfreiheit. Wir müssen die finanzielle Unterstützung für Familien in Deutschland von Grund auf ändern. Wer seine Kinder selbst betreut, muss dafür auch die entsprechenden Rahmenbedingungen vorfinden.

Eine Kolumne von Sylvia Pantel bei nrw-direkt.net

Neben den tagesaktuellen Themen wie der inneren Sicherheit oder der Flüchtlingskrise müssen wir unser Augenmerk stärker auf die langfristigen Herausforderungen für unser Land legen. Langfristig heißt dabei nicht nur, auf die Rente für die Senioren von morgen zu schauen, sondern sich auch zu überlegen, wie wir Familien stärker in ihrem Erziehungsauftrag unterstützen können. Die Zahl der in Deutschland geborenen Kinder steigt seit einigen Jahren erfreulicherweise wieder an.

Wenn wir aber wollen, dass die deutsche Bevölkerung nicht schrumpft und sich nicht nur über Zuwanderung halten kann, dann muss Deutschland ein Land sein, in dem Eltern gerne mehrere Kinder bekommen. Nur wenn wir heute die richtigen Impulse geben und gute Rahmenbedingungen schaffen, werden Eltern sich auf das Abenteuer Kinder einlassen und unser Land wird auch in Zukunft gut da stehen.

Wir brauchen gesellschaftliche Wertschätzung für Mehrkindfamilien

Dabei geht es nicht nur um die Entscheidung für das erste Kind, sondern auch um die Frage, warum nur wenige Eltern drei oder mehr Kinder bekommen. Manchmal fängt das Problem vielleicht schon bei unserem Bild von Familien an. Für viele Familien sind die kleinen Ausgaben hier und da zwar im Einzelnen kein Problem; in der Summe aber denken Eltern dann doch darüber nach, ob sie sich ein drittes oder viertes Kind leisten können. Von der Schwierigkeit, eine große Wohnung zu finden, noch ganz abgesehen. Zu den rein finanziellen Aspekten kommt aber auch die Frage des gesellschaftlichen Umganges und des Klimas, das wir in unserem Land für Familien schaffen an.

In Deutschland leben acht Millionen Familien mit minderjährigen Kindern. Umfragen und Studien wie die Shell Jugendstudie zeigen immer wieder, wie wichtig den jungen Menschen Ehe und Familie sind. Die leicht rückläufige Zahl des ausgedrückten späteren Kinderwunsches von Jugendlichen wird häufig im Zusammenhang mit der Unsicherheit und Ungewissheit der finanziellen Lage gesehen. Lassen Sie mich an dieser Stelle eines klarstellen: Niemand bekommt Kinder wegen des Geldes. Das Ziel von familienpolitischen finanziellen Leistungen kann immer nur sein, die Rahmenbedingungen für Eltern so zu verbessern, dass sie den für sich passenden Lebensweg begehen können und nicht durch die Existenz ihres Kindes in eine Notlage geraten.

Keine einseitige Bevorzugung der Kita-Betreuung

Wir müssen uns als Gesellschaft darüber im Klaren sein, was Familie bedeutet. Die derzeitige Familienpolitik orientiert sich an den Maßstäben einer Erwerbsarbeit im Arbeitnehmerverhältnis. Familien werden durch die politischen Rahmenbedingungen dahingehend beeinflusst, dass Väter und Mütter als Vollverdiener berufstätig sein sollen und die Kinder möglichst früh in die Betreuung gegeben werden.

Familienpolitik sollte aber keine Familienmodelle einseitig bevorzugen, sondern den Eltern ein Stück weit den Rücken freihalten. Wir sollten Eltern nicht dazu drängen, ihre Kinder so früh in die Fremdbetreuung zu geben, wenn sie es nicht selber wollen. Häufig geschieht das aber allein wegen der finanziellen Situation.

Der Staat gibt viel Geld für die professionelle Betreuung von Kindern in Kitas und Kindergärten aus. Deutschlandweit sind 32,7 Prozent der Kinder bis zum dritten Lebensjahr und 93,6 Prozent der Kinder vom dritten Lebensjahr bis zur Einschulung in einer Kindertageseinrichtung oder einer öffentlich geförderten Kindertagespflege. Für jedes dieser Kinder fallen dem Staat hohe Kosten an. Mit der Einführung der Mütterrente haben wir begonnen, Erziehungsleistungen von Eltern in den ersten drei Jahren anzuerkennen.

Die vielen unterschiedlichen Leistungen, wie Elterngeld, Elterngeld Plus, Pflegegeld et cetera sind der Versuch, Eltern finanziell bei ihrem Erziehungsauftrag zu helfen. Hier werden erhebliche Unterschiede bei der finanziellen Unterstützung gemacht und es bleiben etliche Familien, zum Beispiel nicht abhängig Beschäftigte und Studenten, außen vor, weil sie die Kriterien für eine finanzielle Unterstützung nicht erfüllen.

Familien fördern, Eltern stärken

Es ist an der Zeit, die elterliche Betreuung nicht gegen die staatliche Betreuung auszuspielen. Die Eltern haben den Erziehungsauftrag, nicht der Staat. Mittelfristig sollten wir meiner Meinung nach unsere Familienförderung ergänzen, weg von einer einseitigen Förderung der Fremdbetreuung hin zu einer staatlichen Leistung für alle Eltern.

Von dieser neuen Erziehungsleistung müssten die Eltern ihre Sozialabgaben und Krankenkasse bezahlen, wenn sie dem Erziehungsauftrag selbst nachkommen oder Sie geben ihre Kinder in die Fremdbetreuung. Diese Leistung würde echte Wahlfreiheit für unsere Familien bedeuten. Diese freiwillig Leistung müsste allerdings an bestimmte Voraussetzungen wie Informationen zur Pflege, Entwicklung, Sprache und Vorsorgeuntersuchungen gekoppelt sein.