Unterschätzte Volkskrankheit

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Frauen Union Düsseldorf rückt Lipödem in den Blickpunkt

Düsseldorf-Süd, 26. Februar 2016

Das sogenannte Lipödem ist eine unter Frauen weit verbreitete Krankheit, die oft mit tiefen Einschnitten ins Alltagsleben verbunden ist. Trotzdem wird sie öffentlich wenig wahrgenommen. Und die Kosten für die einzige Operation, die langfristigen Erfolg verspricht, müssen die Erkrankten meist selbst tragen. Die Frauen Union (FU) Düsseldorf möchte für das Thema sensibilisieren und setzt sich dafür ein, die Problemlage der Betroffenen zu lösen.
Große Hautwülste, starke Schmerzen, erhöhte Verletzlichkeit und Entzündungsgefahr – das Lipödem ist eine Krankheit mit großem Leidensdruck, die gleichzeitig in der Öffentlichkeit wenig bekannt und dadurch mit vielen Vorurteilen behaftet ist. Genau deshalb stellte die Frauen Union Düsseldorf sie thematisch in den Mittelpunkt ihres jüngsten Stammtisches.
Charakteristisch für diese chronische und fortschreitende Erkrankung des Unterhautfettgewebes, die fast ausschließlich Frauen betrifft, ist eine Störung der Fettverteilung. In den Zellen lagert sich vermehrt Flüssigkeit an, was im Verlauf der Erkrankung das Lymphsystem beeinflusst.

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Mehrere an einem Lipödem Erkrankte schilderten vor Ort ihre vielschichtigen und häufig unterschätzten Leiden, die für sie einen „normale“ Alltagsbewältigung unmöglich machen. Dabei offenbarten sich auch große Schwierigkeiten, die sie im Zusammenhang mit ihrer (Diagnostik und) Behandlung erleben. Kernproblem: Alle gegenwärtig von den gesetzlichen Krankenkassen finanzierten Verfahren zielen lediglich auf die Linderung der Symptome.
Demgegenüber müssen die Patientinnen nach aktuellem Stand die einzige langfristigen Erfolg versprechende Maßnahme, die Liposuktion, selbst finanzieren. Bei diesem Verfahren werden die krankhafte Fettzellen operativ entfernt, was ein Fortschreiten der Erkrankung stoppt. Ein solcher Eingriff gilt stand heute allerdings als Schönheits-Operation, weswegen ihn die Krankenkassen in der Regel nicht übernehmen. Die Frauen Union kämpft deshalb um ein neues Bewertungsverfahren.

„Wer den Leidensdruck der Erkrankten miterlebt, der muss darauf drängen, dass sich an der aktuellen Lage schnell etwas ändert“, betont die Vorsitzende der Frauen Union Düsseldorf, Sylvia Pantel. Die Bundestagsabgeordnete hatte sich diesbezüglich bereits im Oktober an das Gesundheitsministerium gewandt. Tenor der Antwort: Die Methode der Liposuktion befindet sich momentan im Stadium der Prüfung beim Gemeinsamen Bundesausschuss, dem obersten Beschlussgremium der gemeinsamen Selbstverwaltung der Ärzten, Krankenhäusern und Krankenkassen.
Bis dort eine Entscheidung fällt, will die FU Düsseldorf aber nicht untätig bleiben. „Wir helfen mit, für diese Volkskrankheit, die jede zehnte Frau betrifft, zu sensibilisieren und die Betroffenen zu vernetzen“, versichert Sylvia Pantel. Das gelang der Frauen Union Düsseldorf bereits mit ihrer Veranstaltung zum Thema. Und dort zeichnete sich auch schon ein weiterer Schritt ab: Sabine Kittel, eine der Anwesenden, gründet gerade die erste Lipödem-Selbsthilfegruppe in Düsseldorf.
Der nächste Frauenstammtisch der FU Düsseldorf findet statt am Freitag 29. April, ab 19 Uhr, im Restaurant „Werstener Hof“, Kölner Landstraße 200. Das Schwerpunktthema an diesem Abend lautet „Energiepolitik in Deutschland“. Als FU-Expertin dabei ist Heidrun Leinenbach, Projektleiterin der Stadtwerke. Interessierte sind herzlich willkommen, eine Anmeldung ist nicht erforderlich.