Social Freezing

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Wunsch nach Kindern nicht künstlich aufschieben

 

von Sylvia Pantel
Berlin, 18. Oktober 2014

Die amerikanischen Konzerne Facebook und Apple haben ihren Mitarbeiterinnen angeboten, ihnen das Einfrieren von Eizellen aus nichtmedizinischen Gründen zu finanzieren, um ihren beruflichen Werdegang nicht wegen eines Kinderwunsches unterbrechen zu müssen.
Das Einfrieren von Eizellen ist eine medizinische Errungenschaft für Frauen, die aufgrund von biologischen oder medizinischen Einschränkungen nicht natürlich schwanger werden können. Ich halte es für falsch und familienfeindlich, dieses Verfahren für die künstliche Aufschiebung des Kinderwunsches zu nutzen. Damit wird der Druck auf Frauen weiter erhöht und Kinder bekommen in der Lebensplanung einen nachrangigen Platz hinter der beruflichen Karriere.

Die Unternehmen sollten stattdessen in eine vernünftige Firmenpolitik investieren, die die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ermöglicht. Die Frage darf nicht lauten Kind oder Karriere, sondern sie muss lauten: „Kind und Karriere!“

Social Freezing geht meiner Meinung nach in die völlig falsche Richtung. Unser Ziel in der Familienpolitik ist es, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu verbessern. Zudem ist Social Freezing keine Garantie für die Erfüllung eines späten Kinderwunsches. Neben der Zeitdauer und der Qualität der Eizellen spielen auch die Gesundheit der Frau und die Belastungen durch eine künstlich herbeigeführte späte Schwangerschaft eine nicht zu vernachlässigende Rolle.

Die Unternehmen Facebook und Apple zeigen eine rücksichtslose Haltung ihren Mitarbeitern gegenüber, getarnt durch ein verlockendes Angebot, um nicht auf ihre Fachkräfte verzichten zu müssen. Ich hoffe, dass solche Ideen nicht annähernd in Deutschland auf Verständnis stoßen werden.

Was ist Social Freezing? Zeit online, 15.10.14