Ob man über das Thema überhaupt diskutieren darf?

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Düsseldorfer Frauen Union veranstaltet einen Abend zum Thema Gendermainstreaming

 

Urdenbach, 21. August 2015

Erstaunlich unaufgeregt war die Veranstaltung der Düsseldorfer Frauen Union in der Aula des Gymnasiums an der Koblenzerstraße zum Thema ‚Gendergaga‘ mit Birgit Kelle und Sylvia Pantel.
Erstaunlich deswegen, hatten doch im Vorfeld Gegner der Veranstaltung versucht Birgit Kelle an ihrem Auftritt zu hindern. Sie riefen im Internet dazu auf, die Veranstaltung zu untersagen. Das Stadtverwaltung, die Bezirksregierung, die Schule, der Förderverein des Gymnasiums und Sylvia Pantel bekamen entsprechende Emails – in zum Teil rüdem Ton. Befürworter der Veranstaltung sammelten mit einer Online-Petition viele tausend Unterschriften. Bei der Stadtverwaltung gingen innerhalb von 3 Tagen 19.000 E-Mails für die Abhaltung der Veranstaltung ein. Dafür ‚herzlichen Dank‘ an alle Befürworter. Die Stadt Düsseldorf hatte nach unserer Stellungnahme nicht vor die Veranstaltung zu untersagen. „Mich hat erstaunt und nachdenklich gemacht, dass es bei den Diskussionen im Vorfeld der Veranstaltung nicht um inhaltliche Differenzen ging, sondern darum, ob man über das Thema Gendermainstreaming überhaupt diskutieren darf“, fasste Sylvia Pantel die Ereignisse zusammen.

Gender

Bei der Veranstaltung selbst ging es dann ausschließlich um das eigentliche Thema. Zunächst stellte Birgit Kelle die Ideen und die Entwicklungen des Gendermainstreamings in Deutschland in einem sachlichen Vortrag vor: Nach der Gendertheorie ist das Geschlecht (eng.: Sex) eines Menschens nicht biologisch bestimmt, sondern das Geschlecht (eng.: Gender) wird durch soziale Verhaltensweisen geprägt. Damit jeder Mensch frei von sozialen Zwängen sein Geschlecht wählen kann, ist insbesondere in der Sprache und in der Kinder- und Jugenderziehung darauf zu achten, die Vielfalt der Geschlechter darzustellen. Da es nun aber eine Vielzahl von möglichen ‚Gendern‘ gibt, bei einer Facebook-Anmeldung stehen beispielsweise mehr als 15 zur Auswahl, führt dies zu exotischen Schreibweisen mit * und _. Als weiteres Beispiel nannte Brigit Kelle unter anderem die Umbenennung der ‚Studentenwerke‘ in ‚Studierendenwerke‘. Besonders kritisch sieht Birgit Kelle die gender-gerechten Pläne zur sexuellen Früherziehung von Kindergarten- und Grundschulkindern. Sie hält es für problematisch die Kinder schon in diesem jungen Alter mit unterschiedlichen Sexualpraktiken zu konfrontieren.
Zentraler Kritikpunkt Birgit Kelles ist, dass es nach ihrer Analyse bis heute keine demokratische Legitimation zur Umsetzung der Gendertheorie in Behörden und Schulen gibt.

Anschließend stellten die Anwesenden Fragen und diskutierten. Auch bei unterschiedlichen Meinungen blieb der Umgangston unter den mehr als 300 Besuchern fair und respektvoll. „Ich finde es wichtig, dass wir über Gendermainstreaming diskutieren, da es in viele Lebensbereiche massiv einwirken soll, ohne dass wir das in der Gesellschaft diskutiert haben. Nicht nur unsere Sprache und unsere Rollenbilder sollen verändert werden, sondern hier wird die Intimsphäre unserer Kinder missachtet. Hier würde ich mir eine Bewertung des Kinderschutzbundes und der Kinderpsychologen und Kinderärzte wünschen. Wo bleibt die Diskussion mit den Eltern, Erziehern und Lehrern? Bisher habe ich mich immer für Projekte wie ‚Mein Körper gehört mir‘ oder die ‚Nein Tonne‘ eingesetzt, um den Kindern Sebstbewußtsein zu vermitteln, damit sie auch die Bewahrung ihre Intimsphäre erfolgreich einfordern lernen.
Ich hoffe, dass unsere Veranstaltung dazu beigetragen hat, dass das Thema in der Öffentlichkeit breit diskutiert wird und nicht durch die Hintertür unter der falschen Überschrift ‚Gleichberechtigung‘ Einzug in unsere Kitas und Schulen hält. Auch ist die Veränderung unserer Sprache zu diskutieren. Ich finde es prima, dass wir zu diesem Thema eine sachliche Diskussion geführt haben“, sagte Sylvia Pantel nach dem Diskussionsabend.