Geschlechterquote

Mehr gleichberechtigte Teilhabe von Frauen in Wirtschaft, Politik und Gesellschaft – Zur Einführung der Geschlechterquote in der Privatwirtschaft und im öffentlichen Dienst

Seit mehr als 100 Jahren fordern Frauen mehr Gleichberechtigung. Sie wollen die gleichen politischen Rechte, die gleiche gesellschaftliche Teilhabe und finanzielle Unabhängigkeit.

Mädchen drängt es immer noch in Friseursalons, Grundschulen, kreative oder soziale Berufe, Jungen in Naturwissenschaft  und Technik. Schon bei den Berufswünschen bevorzugen sie bestimmte Richtungen und schränken damit ihr Potenzial ein. Mädchen wollen Krankenschwester, Jungen wollen Arzt werden. Der alljährliche Girls‘ und Boys‘ Day bietet die Gelegenheit, sich über neue Berufsziele zu informieren und damit vielleicht auch bessere Verdienstmöglichkeiten zu entdecken.

In NRW haben 2013 mehr junge Frauen als Männer ihr Abitur gemacht. Mehr Frauen als Männer machen einen Universitätsabschluss. Formal haben Frauen die gleichen Chancen auf Führungspositionen und gesellschaftliche Teilhabe. Aber aufgrund langjähriger Seilschaften und traditioneller Rollenbilder, die Männern z.B. eine höhere Kompetenz oder mehr Durchsetzungsvermögen zutrauen, werden sie weniger berücksichtigt, wenn es um lukrative Positionen, Gehaltserhöhungen oder Beförderungen geht. Frauen sind häufiger teilzeitbeschäftigt, um Kinderbetreuung und Beruf zu vereinbaren. Sie werden im Schnitt schlechter bezahlt und sind seltener in Führungspositionen als Männer.

Wir haben viele hervorragend qualifizierte Frauen mit langjähriger Berufserfahrung, die sich zielstrebig und leistungsfähig in der Spitze von Unternehmen einbringen wollen. Frauen in Führungspositionen können die Unternehmensatmosphäre und die Qualität von Entscheidungen nachhaltig beeinflussen. Sie bringen weitere Qualitäten, sogenannte „Soft Skills“, mit ins Management, und Unternehmen sind gut beraten, wenn sie die Talente und Potenziale von Frauen nutzen.

Durch die gesetzliche oder eine freiwillige Verpflichtung wollen wir das Ziel erreichen, den Anteil weiblicher Führungskräfte in Deutschland in Führungspositionen von Wirtschaft und Politik zu erhöhen. Unternehmen werden stärker motiviert, umzudenken, aktiv geeignete Mitarbeiterinnen zu suchen und ihnen die neuen Aufgaben zuzutrauen.

Aufsichtsräte von 108 börsennotierten und voll mitbestimmungspflichtigen Unternehmen, die ab 2016 neu besetzt werden, sollen eine Geschlechterquote von mindestens 30 Prozent aufweisen. Das bedeutet derzeit, dass auf höchstens 70 Prozent dieser Stühle Männer sitzen dürfen. Und um im Bild zu bleiben, sollen die für Frauen vorgesehenen Stühle leer bleiben, wenn ihre Quote von 30 Prozent nicht erreicht wird. Wir haben in den Verhandlungen erreicht, dass die Arbeitgeber- und Arbeitnehmerbank zusammen betrachtet werden. Für kleine Gremien mit bis zu drei Mitgliedern wurde die Geschlechterquote gestrichen. Das befreit mittelständische, häufig familiengeführte Unternehmen von den hohen bürokratischen Anforderungen.

3.500 börsennotierte oder mitbestimmungspflichtige Unternehmen über 500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter werden gesetzlich verpflichtet, ab 2015 verbindliche Zielgrößen für die Erhöhung des Frauenanteils im Aufsichtsrat, im Vorstand und in den obersten Managementebenen festzulegen, zu veröffentlichen und darüber zu berichten. Diese dürfen nicht nachträglich nach unten korrigiert werden. Hier hat die Union noch erreicht, dass die erste Frist für die Festlegung von Zielgrößen auf den 30.09.2015 verschoben wurde und keine Zwischenberichte erforderlich sind. Zudem soll die Bundesregierung im Rahmen der Evaluierung des Gesetzes die Bürokratiekosten plausibel ermitteln.

Auch im Einflussbereich des Bundes wird eine gezielte Gleichstellungspolitik vorangetrieben. Wir wollen den Anteil von Frauen in Führungspositionen und Gremien, für die der Bund Mitglieder bestimmen kann, erhöhen und gleichzeitig Entgeltungleichheit abbauen. Eine Geschlechterparität auf allen Ebenen ohne das Ziel, strukturelle Benachteiligungen zu beseitigen, lehne ich ab. Das hätte bedeutet, dass mehr Sekretariatsstellen für Männer und mehr GSG 9-Plätze für Frauen bereitgestellt werden. Die Bundesverwaltung soll für jede Führungsebene konkrete Zielvorgaben setzen, um die Unterrepräsentanz eines Geschlechts abzubauen und die Vereinbarkeit von Familie, Pflege und Berufstätigkeit zu verbessern.

Mir persönlich kommt es darauf an, Frauen in den Bereichen zu fördern, in denen sie benachteiligt werden.

Auch die Familienfreundlichkeit haben wir als Ziel weiter verankert. In der Bestandsaufnahme zum Bundesgleichstellungsplan muss künftig dargestellt werden, wie sich der berufliche Aufstieg von Frauen und Männern mit Familien- oder Pflegeaufgaben im Vergleich zum Aufstieg der Beschäftigten ohne diese Aufgaben verhält.

Nach der Veröffentlichung im Bundesgesetzblatt können die aktualisierten Gesetze im Internet abgerufen werden, das Bundesgremienbesetzungsgesetz  und das Bundesgleichstellungsgesetz.

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