Freiwilligendienste müssen attraktiver werden

Unterausschuss des Bundestages macht Bestandsaufnahme

 

Düsseldorf-Süd, 30. September 2018

Ein öffentliches Fachgespräch mit Vertretern der Trägerorganisationen am Mittwoch in Berlin diente dem Unterausschuss „Bürgerschaftliches Engagement“ zu einer aktuellen Bestandsaufnahme der inländischen Freiwilligendienste.
Ob im Gesundheitsbereich, im Naturschutz, in Kultur, Sport, Wissenschaft oder im Zivil- und Katastrophenschutz: Tausende junge Leute bis zum 27. Lebensjahr engagieren sich Jahr für Jahr ehrenamtlich im Rahmen des Bundesfreiwilligendienstes oder eines freiwilligen sozialen oder ökologischen Jahres. Verschiedene Trägerorganisationen vermitteln Interessierten zahlreiche Einsatzstellen.

Dr. Julia Schlicht, Referentin Bundesfreiwilligendienst vom Paritätischen Gesamtverband, sprach sich dabei für eine generelle Stärkung der Freiwilligendienste aus, sowohl qualitativ als auch was die Zahl der angebotenen Plätze betreffe. Die zahlreichen Programme hätten allesamt ihre Berechtigung und spiegelten ein vielfältiges Interesse der Menschen sich gesellschaftlich zu engagieren. „Wenn wir wollen, dass sich Menschen für die Gesellschaft engagieren, dann müssen wir ihnen auch die Möglichkeit dazu geben“, sagte Schlicht. Es gelte Attraktivität der Freiwilligendienste zu erhöhen. Kurzfristig benötige der Sektor finanzielle Mittel in Höhe von 50 Mio. Euro.
Aber das sei nur ein erster Schritt. Viel wichtiger sei es, die Freiwilligendienste kontinuierlich auszufinanzieren. „Wir müssen die Freiwilligendienste ganz neu verankern.“ Vor allem unter Jugendlichen mit geringeren Bildungsabschlüssen müsse überhaupt zunächst das Wissen über den Freiwilligendienst ausgebaut werden. Schlicht mahnte, das ehrenamtliche Engagement des Freiwilligendienstes klar von kommerzieller Erwerbsarbeit abzugrenzen. Man verstehe sich auch nicht als Wettbewerber in der Jugendsozialarbeit. Der Freiwilligendienst sei etwas qualitativ völlig Eigenständiges, der eine ganz spezifische Nachfrage bediene. „Junge Leute brauchen einen Zeitraum, um sich einzubringen und zu verwirklichen, unabhängig von Ansprüchen und Erwerbslogiken.“

Nicolaj Hackert, Bundessprecher Bundesfreiwilligendienst (BFD) und bis vor kurzem selbst Freiwilliger, warb für eine größere politische und gesellschaftliche Anerkennung des BFD. Dazu gehöre eine bessere finanzielle Unterstützung bei Fahrtkostenzuschüsse und Unterkunftshilfen, aber auch eine arbeitsrechtliche Aufwertung der Stellen, deren Attraktivität häufig unter Restriktionen leide, die der Arbeitsmarktneutralität geschuldet seien, um keine reguläre Beschäftigung zu ersetzen. Einen dritten Mann auf dem überlicherweise mit zwei Kollegen besetzten Krankenwagen brauche niemand.

Dr. Jaana Eichhorn, Bundestutorat Freiwilligendienste im Sport, forderte für den Bundesarbeitskreis Freiwilliges Soziales Jahr (BAKFSJ), die „pädagogische Pauschale“ an die Verbände zu erhöhen. Sonst erhielten die teilnehmenden Institutionen weniger pro Kopf, wenn die Zahl der Plätze wie gefordert steige. „Wir benötigen mehr Geld für die pädagogische Begleitung.“ Insgesamt seien die Freiwilligendienste ungenügend ausgestattet.
Eine solidere finanzielle Grundlage würde den Organisationen erleichtern, das zu tun, wofür sie geschaffen sind, nämlich Menschen die Möglichkeit zu bieten, sich zu engagieren. Dabei sei den Einrichtungen mit lediglich einjährigen Geldzuweisungen überhaupt nicht geholfen.
Neben der Steigerung der Qualität der vorhandenen Plätze sollte eine Erhöhung der Förderung dazu dienen, mehr Plätze zu schaffen. Und zwar gerade auch in kleinen Vereinen. Diese seien die Keimzellen ehrenamtlichen Engagements. Dort fänden sich meist Stellen mit großem gestalterischen Spielraum.
Als wichtige Aufgabe für Einrichtungen, die Plätze für den Freiwilligendienst anbieten, nannte Eichhorn schließlich die individuelle Betreuung der Freiwilligen. „Wir möchten Jugendliche bei ihrer Arbeit begleiten, auch solche mit physischen oder psychischen Problemen, und nicht von vornherein aussortieren nach dem Motto: wer macht uns am wenigsten Arbeit.“ Man wolle auch nicht, dass sich nur Kinder aus vermögenden Elternhäusern den Freiwilligendienst leisten können.

Laura Rupenow, Bundessprecherin Freiwilliges Ökologisches Jahr, führte Ablauf und Strukturen eines Jahres im Freiwilligendienst vor Augen. Leider würden viel zu wenige Plätze angeboten. Zuletzt hätten sich im Bereich „Ökologisches Jahr“ 12.000 Interessenten auf 3.000 Stellen beworben. Diese ungenutzten Potenziale bei den abgelehnten Bewerbern gelte es unbedingt zu heben, indem man mehr Plätze schaffe. Rupenow warb insbesondere für den Bereich der Ökologie, der in der Engagement-Politik noch viel zu schwach vertreten sei. Dabei widme man sich äußerst relevanten Themen und erarbeite Lösungen beispielsweise im Bereich der Müllvermeidung.

Als Obfrau der CDU/CSU-Fraktion im Unterausschuss Bürgerschaftliches Engagement werde ich mich für eine angemessene finanzielle Unterstützung des ehrenamtlichen Engagements einsetzen und meinen besonderen Schwerpunkt auf die Frage legen, an welchen Stellen und wodurch bürgerschaftliches Engagement erleichtert werden kann und was der Gesetzgeber tun kann, um Hindernisse zu beseitigen.