Familienpolitik geht uns alle an!

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Familienpolitik ist in Deutschland ein ideologisch vermintes Gelände. Gute Familienpolitik aber darf sich nicht an einem einzigen Familienbild festmachen lassen. Wir müssen die Familienpolitik endlich wieder mehr in den Fokus der Öffentlichkeit rücken und für Familien die Rahmenbedingungen schaffen, die sie benötigen.

Eine Kolumne von Sylvia Pantel bei nrw-direkt.net.

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Düsseldorf-Süd, 13. September 2016

Die Familienpolitik in Deutschland gehört derzeit nicht zu den Themen, die die Aufmerksamkeit erhalten, die sie verdienen. Die Themen, die die Menschen derzeit bewegen, lauten zum Beispiel „Flüchtlingskrise“, „Rentenpolitik“, „Krieg und Terror“ oder „Energie und Klimawandel“. Kaum ein Bürger wird derzeit sagen, dass er sich um die Familienpolitik in unserem Land sorgt. Dabei geht Familienpolitik uns alle an. Familienpolitik ist Gesellschaftspolitik. Unser Sozialstaat, die Wissenschaft spricht vom „Konservativen Sozialstaatsmodell“, sieht die Familie als wichtigste und erste Einheit von Menschen. Wir werden in eine Familie geboren und verbringen unser Leben in einer oder manchmal auch mehr als einer Familienkombination.

Familie ist „im Trend“

Die Shell Jugendstudie kommt seit Jahren zum Ergebnis, dass die Jugendlichen in unserem Land mehr Familie möchten. Über 90 Prozent der Jugendlichen sagten aus, dass die Vereinbarkeit von Familie und Beruf wichtiger sei als die reine Karriere. Auch die Geburtenzahlen steigen stetig. Nachdem wir uns im vergangenen Jahr schon über ein Plus von 32.000 Geburten gefreut haben, sind 2015 erneut über 22.000 Kinder mehr geboren worden als im Vorjahr. Wir haben die höchsten Geburtenzahlen seit dem Jahr 2000! Kommt nach Jahren des individuellen Strebens nach Erfolg und Selbstoptimierung jetzt eine Rückbesinnung auf die Familie?

Als Politikerin, die sich seit Jahrzehnten mit Bildungs- und Familienpolitik auseinandersetzt, bin ich davon überzeugt, dass der Wunsch nach Stabilität und Familie nie weg war. Da wir aber seit vielen Jahren erleben, wie ideologisch geprägte Familien- und Gesellschaftspolitik versucht, den Menschen immer mehr Vorschriften zu machen, wird immer mehr Bürgern bewusst, wie wichtig die Freiheit für Familien ist.

Die Väter des Grundgesetzes wollten Ehe und Familie schützen

Unser Grundgesetz gesteht Ehe und Familie eine besonders hervorgehobene Stellung zu. Dabei wird aber nirgends festgestellt, wie Familienleben aussehen muss. Wenn ich die Wahlprogramme besonders der linken Parteien wie SPD, Grünen oder gar der Linken lese, sehe ich wie diese Programme von einem einzigen, festgefahrenen Familienbild geprägt sind. Das Kind soll möglichst schnell in die Obhut des Staates und die Eltern sollen angestellte Berufstätige sein.

Wenn ein Mann im Café sitzt und erzählt, er wolle sich zwei Jahre nur um sein Kind kümmern und nicht weiter in seinem bisherigen Job arbeiten, wird er bejubelt und zum modernen Helden gemacht. Wenn eine Frau erklärt, sie wolle sich Vollzeit um ihr Kind kümmern, ist sie rückständig. Familienpolitik soll aber nicht die Familien bestimmen – die Bedürfnisse der Familien sollten die Politik bestimmen. Familien sollten nach ihren Vorstellungen leben können.

Familienpolitik muss Freiraum schaffen!

Als Konservative trete ich für ein selbstbestimmtes Familienleben ein. Familienpolitik in Deutschland muss Freiraum schaffen. Sie muss für Rahmenbedingungen sorgen, in denen Familien sich so entwickeln und organisieren können, wie es für ihre jeweilige Situation gut ist. Das gilt nicht nur, wenn die Kinder klein sind. Auch die Pflege Angehöriger unter dem Dach der Familie sollte möglich sein. Mit Werkzeugen wie Elterngeld und Elterngeld-Plus, der Familienpflegezeit, dem Kita-Ausbau, den Sprach-Kitas oder auch der Mütterrente, die auch Erziehungszeit finanziell anerkennt, haben wir dafür gesorgt, dass Familien die Wahlfreiheit bekommen, die für sie wichtig ist.

Ich gratuliere den bayrischen Familien zu einer Landesregierung, die das Betreuungsgeld als Anerkennung der Erziehungsleistung weiterhin bezahlt. Ein konservatives Familienbild stellt die Familie in den Vordergrund. Ich will den Menschen nicht vorschreiben, wie sie leben sollen. Ich will, dass Familien mit Hilfe der Maßnahmen des Staates so leben können, wie es für sie richtig ist. Nur dann werden auch weiterhin die Geburtenzahlen steigen.